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Immerwährende Erschöpfung
Hunderttausende Deutsche im Seniorenalter leiden am sogenannten „chronischem Fatigue-Syndrom“. Wie man die Krankheit erkennt und welche Rolle natürliches Spermidin bei der Behandlung spielen kann – ein Interview mit Internistin Dr. Jördis Hendricks.
FRAU HENDRICKS, WAS IST DAS „FATIGUE-SYNDROM“? UND WIE ERKENNE ICH ES?
Wer am Fatigue-Syndrom leidet, spürt eine langanhaltende Er- schöpfung und Müdigkeit, die sich schier überwältigend anfühlt. Einfache Handgriffe und Arbeiten führen zu einer langanhalten- den Erschöpfung. Wenn dieser Erschöpfungszustand chronisch wird, also länger als drei Monate anhält, kann das Fatigue- Syndrom oder im Extremfall die Myalgische Enzephalomyelitis dahinterstecken. Anders als zum Beispiel bei Stresssymptomen verschwindet die Erschöpfung auch nicht durch Schlaf oder Erholung. Aktuelle Studien besagen, dass 29,7 Prozent der deutschen Bevölkerung darunter leidet oder gelitten hat.
WAS STECKT HINTER DER KRANKHEIT?
Die Krankheit kann verschiedene Ursachen haben. Oft funk- tioniert bei den Betroffenen der Zellstoffwechsel nicht mehr richtig. Alterungsprozesse im Körper begünstigen diese Störung des Zellstoffwechsels. Oft hängt das „Fatigue-Syndrom“ aber auch mit einer aktuellen oder überstandenen Virus-Erkrankung zusammen. Als bekanntes Beispiel ist hier das „Post-Covid- Syndrom“ zu nennen. Das „Fatigue-Syndrom“ kann aber auch eine Begleiterscheinung von chronischen Krankheiten wie Rheuma, Diabetes oder Krebs sein.
WIE KÖNNEN ÄRZTE UND ÄRZTINNEN DIE KRANK- HEIT ERKENNEN?
Das ist gar nicht so einfach. Zur Diagnose ist ein langes und einfühlsames Anamnesegespräch sehr wichtig: Wie oft und wie lange zeigen sich die Symptome schon? Ich frage im Gespräch auch nach der Lebensgeschichte, denn diese beeinflusst das persönliche Stresslevel und damit den Zellstoffwechsel. An dieses erste, lange Anamnesegespräch schließen sich dann medizini- sche Untersuchungen an, zum Beispiel eine Blutuntersuchung.
WELCHE BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN GIBT ES?
Es gibt verschiedene Stoffe, die den Stoffwechsel positiv beeinflussen, weil sie zum Beispiel bei der Reparatur oder Erneuerung der Zellen unterstützen. Das sind zum Beispiel Omega-3-Fettsäuren, das Coenzym Q10 und andere Mineralien und Spurenelemente. Wichtig ist, seine Ernährung so umzu- stellen, dass die erforderlichen Stoffe aufgenommen werden. Als Faustformel gilt: Vier Handvoll Gemüse und eine Hand- voll Obst am Tag. Nahrungsergänzungsmittel können noch zusätzlich unterstützen – aber nur, wenn sie von einem Arzt oder einer Ärztin individuell angepasst worden sind.
WELCHE ROLLE KANN SPERMIDIN BEI DER BE- HANDLUNG SPIELEN?
Neuere Forschungen haben gezeigt, dass dieser körpereigene Stoff sehr wichtig für die Selbstreinigung und Erneuerung von Zellen ist und deshalb bei Störungen des Zellstoffwech- sels wie dem Fatigue-Syndrom unterstützen kann. Spermi- din befindet sich in vielen Lebensmitteln wie Weizenkeimen, Pilzen, Brokkoli, Nüssen, Sauerkraut oder Käse. Es empfiehlt sich vor allem für ältere Menschen, Spermidin aber auch als Nahrungsergänzungsmittel zusätzlich einzunehmen. Auch da ist es wichtig, Präparate mit reinen Substanzen aus natürlichen Quellen zu nutzen und individuell zu dosieren. Aber auch die körpereigene Spermidin-Produktion sollte durch die optimaleDarmflora nachhaltig unterstützt werden.
WAS IST NOCH WICHTIG BEI DER BEHANDLUNG DES FATIGUE-SYNDROMS?
Der Schlaf! Dieser muss wieder erholsam und entspannend werden, was er bei den meisten Betroffenen nicht ist. Auch ausreichende körperliche Bewegung ist sehr wichtig, denn sie aktiviert die Funktion unserer Mitochondrien, unserer Zellkraftwerke. Insgesamt ist es notwendig, den Lebenswandel zu optimieren. Da müssen die Betroffenen selbst einiges tun – ich als Ärztin kann nur begleiten und unterstützen
Dr. Julia Egleder
CHECKLISTE FÜR DAS ARZTGESPRÄCH ZU FATIGUE:
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Beschreiben Sie den Beginn der Fatigue-Symptome.
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Geben Sie an, wie sich die Fatigue entwickelt hat.
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Erklären Sie, ob es Zeiten ohne Fatigue gibt und ob Ruhe die Fatigue lindert.
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Beschreiben Sie, ob die Fatigue sowohl körperliche als auch geistige Auswirkungen hat und welche.
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Geben Sie eine Übersicht über Ihren Lebensstil.
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Führen Sie auch etwaige weitere gesundheitliche Probleme auf.