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LEISE GEFAHR OSTEOPOROSE

Osteoporose wird als „stille Krankheit“ bezeichnet, denn die Knochendichte nimmt – zunächst unbemerkt von den Betroffenen – schleichend ab. Wird die Diagnose nicht rechtzeitig gestellt, kann das schlimme Folgen haben.

Maria L. war mit 68 Jahren eine Frau voller Energie und Tatendrang. Sie liebte die Spaziergänge mit ihrem Hund, kümmerte sich mit Hingabe um ihren Garten und genoss es, stundenlang mit den Enkelkindern zu spielen. Doch eines Morgens änderte sich plötzlich ihr ganzes Leben. Beim Stre- cken nach einer Kaffeetasse im obersten Regal durchzuckte ein stechender Schmerz ihren Rücken, und sie fiel zu Boden. Diagnose: Wirbelbruch durch Osteoporose.

Schon seit einiger Zeit hatte sie ein leichtes Ziehen im Rücken gespürt, das sie zunächst ignorierte. Ihr Arzt beruhigte sie, solche Beschwerden kämen mit dem Alter. Mit Osteoporose brachte er die Schmerzen nicht in Verbindung. Nach ihrem Bruch erhielt Maria Medikamente zur Verlangsamung des Kno- chenabbaus. Doch Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden, Muskelschmerzen und ein anhaltendes Unwohlsein machten ihr zu schaffen. Ihr Alltag war so stark beeinträchtigt, dass sie überlegte, die Therapie abzubrechen.

URSACHEN VON OSTEOPOROSE

Knochenschwund ist die häufigste Erkrankung des Skelettes. Weltweit sind etwa 200 Millionen Menschen betroffen, in Deutschland über 6 Millionen, mit mehr als 700.000 durch Osteoporose verursachten Knochenbrüchen jährlich. Be- sonders Frauen sind betroffen; Ursachen sind hormonelle Veränderungen, Störungen des Knochenstoffwechsels oder Nebenwirkungen von Medikamenten, aber auch chronischer Bewegungsmangel. Die „primäre“ Osteoporose entwickelt sich – ohne weitere Grunderkrankung – meist im Alter bei etwa 30 Prozent der Frauen nach der Menopause. Die „sekundäre“ Osteoporose hat eine Erkrankung des Hormonhaushalts oder Knochenstoffwechsels, Tumore oder eine Immunschwäche als Auslöser. Die Krankheit ist tückisch, im Frühstadium gibt es kaum Symptome. Im fortgeschrittenen Stadium zeigen sich Wirbelverformungen und eine Abnahme der Körpergröße. Im schweren Stadium folgen Frakturen des Oberschenkelhalses, Handgelenks oder Wirbelkörpers, die oft nur schwer heilen.

EIGENE MÖGLICHKEIT DER BEHANDLUNG

Bis zu 50 Prozent der Betroffenen bleiben unbehandelt. Die Folgen sind gravierend: Jede dritte Frau über 50 Jahre erlei- det mindestens eine osteoporosebedingte Fraktur. Dies führt nicht nur zur Immobilität, sondern kann auch die Lebenser- wartung senken. Für Maria L. wurde das Treppensteigen zur Herausforderung, jeder Schritt war von Angst begleitet. Die Nebenwirkungen der Medikamente machten ihr zunehmend zu schaffen und sie zog sich immer weiter zurück.

Doch dann meldete sich ihr Lebenswillen und sie begann mit leichter kraftbetonter Gymnastik unter Anleitung. Auch Vitamine wie Kalzium und Vitamin D taten ihr gut, sowie die Ernährungsumstellung auf Gemüse und Obst. Fallübungen für Senioren nahmen ihr die Angst vor einem Sturz. Bei Maria L. wurde damit ein regenerativer Prozess ausgelöst, und sie gewann einen Großteil ihrer Beweglichkeit zurück. Für viele Menschen ist Osteoporose ein stiller Begleiter – eine leise Krankheit, die nicht nur den Körper, sondern auch die Seele belastet.

Sabine Clever